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Piaristenwunder Wien, 23.05.2023 Leer Wien, 23.05.2023

Piaristenwunder

1
Ich hörte davon durch die Berichte eines sehr redseligen Kellners. Mein freundliches Lächeln ermutigte ihn sicherlich, auf den Wahrheitsgehalt seiner Erzählungen zu bestehen. Ich musste wohl wie ein Erwachsener gewirkt haben, der einem Kind zeigt, dass er ihm Beachtung schenkt, obwohl beiden klar ist, dass dieses nur Humbug von sich gibt.
»Sie können mir glauben, oder nicht, Signore. Am besten, Sie überzeugen sich selbst davon, Basta! Bis um vierzehn Uhr dauert es ja nur noch due minuti! Dai!«
Der Kellner, ein Italiener so wie man ihn sich erwarten würde, baute immer mehr Wörter aus seiner Landessprache ein, nachdem er erkannt hatte, dass er von dem freundlich Lächelnden Herrn nicht für voll genommen wurde. Davor trug er die Geschichte in vorzüglichem Deutsch vor:
»Sie sind nicht von hier Signore, habe ich recht? Sie lächeln ja noch, bevor sie aus einem alkoholischen Getränk gekostet haben. Ihre Stirn liegt nicht in Falten und ihre Augenbrauen sind nicht zusammengezogen. Woher besuchen Sie uns, Signore?«
Ich erzählte ihm in kurzen Worten, dass ich in Wien aufgewachsen war und nun seit langer Zeit wieder, meine Heimatsstadt besuchte. Man konnte ihm ansehen, wie sehr es ihn störte, nicht recht behalten zu haben. Vor allem, weil sich seine Augenbrauen zusammenzogen.
»Gut, Gut, Signore, aber Sie waren sehr, sehr lange Zeit nicht hier.«
Diesen kleinen Sieg durfte er ruhig einfahren, ich hob meine Mundwinkel um weitere drei Grad an und nickte.
»Dann, haben Sie sicher noch nichts vom Piaristenwunder gehört. Ich will es Ihnen erzählen.«
Seine Kollegen rannten alle kreuz und quer, die Terrasse war sehr gut besucht, die Sonne ließ sich oft blicken und streichelte jedem, der sich ihr anbot, sanft über die Haut und die Haare. Dieser Kellner schien aber von dem Treiben nicht betroffen zu sein. Sein Jackett hatte sogar eine dunklere und trotzdem glitzerndere Farbe als die der anderen.
»Um vierzehn Uhr, Signore, erscheint eine weiße Taube mit goldenen Flügeln zwischen den Türmen der Maria-Treu-Kirche und senkt sich über den Platz. Wen auch immer ihr Abfall trifft, erfährt unglaubliches Glück. Unmittelbares, unglaubliches Glück, Signore.«
»Mit Abfall meinen Sie die Scheiße, werter Herr?«
»Abfall, Signore, Merda, Kaka! Verzeihen Sie, Sie sitzen bei Tisch, also – Abfall!«
»Ich verstehe.«
»Nein, Signore, Sie verstehen nicht. Es ist ein unbeschreibliches Glück, das einen erfasst und, soweit ich weiß, auch nicht allzu bald wieder verlässt. Mani zum Beispiel. Mani kam seit Jahren zu uns, um sein Gläschen Rotwein zu trinken. Er aß nie, er wollte nur ein Glas des Hausroten. Er saß immer dort.«
Der Kellner deutete auf einem Sitz am äußeren Rande der Terrasse. Ich sah kurz hin, nickte und lächelte wieder. In meinem Kopf wurden Bilder eines Sonntagmorgens lebendig. Ich muss um die zehn Jahre alt gewesen sein. Wir gingen in unserem besten Gewand die Landstraße Hauptstraße entlang, um zur U-Bahn-Station Kardinal-Nagl-Platz zu gelangen.
Meine Schwester trug ein neues Kleid. Wie glücklich sie darüber war, die ganze Woche hatte sie von nichts anderem gesprochen. Es war weiß, wie jenes einer verliebten und glücklichen Braut. Die Sonne schien, obwohl es noch mitten im Winter war. Meine Eltern nannten es: eine bezahnte Sonne, oder Sonne mit Gebiss. Es war bitterkalt, die Sonne schien und das Kleid glitzerte und funkelte. Bis eine Taube sich über unsere Köpfe erleichterte und alles davon ihr Kleid besudelte. Sie begann, bitterlich zu weinen. Ich musste wehleidig lächeln bei der Erinnerung, was dem Kellner wiederum dazu brachte, seine Augenbrauen zusammenzuziehen.
»Nachdem er bei uns seinen Roten ausgetrunken hatte, ging er in die Postfiliale dort, in der Maria-Treu-Gasse, und kaufte sich zwei Rubbellose. Einmal Schatzkiste, einmal Cash. An fünf Tagen die Woche befolgte er dieses Ritual. Mani war frühpensioniert, eine unangenehme Geschichte, das sag‘ ich Ihnen. Wenn seine Nachbarn keine solche Schwätzer wären, hätte ich den eigentlichen Grund für seine Frühpensionierung garantiert niemals erfahren.«
Die Tatsache, dass gerade er andere Menschen als Schwätzer bezeichnete, entlockte mir ein weiteres Lächeln. Ihn brachte es erneut dazu, die Augenbrauen zusammenzuziehen.
»Er wollte an den Tag wie immer aufstehen und zur Post laufen. Die Taube kam und setze ihm den Abfall genau auf die linke Schulter. Ich habe ihm geholfen, es abzuwischen, Signore. So wahr wie ich hier vor Ihnen stehe.«
»Und weiter?« Ich wollte endlich einen Tee bestellen und mir die Karte geben lassen.
»Er ging in die Postfiliale und kaufte sich die zwei Rubellose. Er gewann bei beiden die Höchstsumme. Achtzigtausend Euro, Signore. Noch auf dem Weg von der Postfiliale bis hierher rief ihn sein Sohn an und berichtete, dass dieser als österreichischer Botschafter nach Chile geschickt wurde. Und während er mir das alles berichtete und die Rubbellose zeigte, rief ihn seine Hauptschulliebe an, die er über dreißig Jahre nicht mehr gesehen hatte, und die zufällig seine Nummer im Internet gefunden hatte. Verstehen Sie jetzt, Signore?«
»Eine schöne Geschichte.« Ich lächelte munter. Darauf folgte der im Eingang erwähnte, von italienischen Wörtern vollbespickte Ausbruch, infolgedessen er mich beleidigt verließ, ohne meine Bestellung aufzunehmen. Ein komischer Kauz, es kam mir fast so vor, als würde er eigenhändig die Taube per Funk steuern. Wieso würde er sonst so großen Anstoß an meinem Unglauben finden. Und überhaupt – welche Art von Geschichte war das bitte schön? Die Zwei Minuten wartete ich ab. Die Wolken verschoben sich, die Sonne hatte wiederum freie Bahn und schickte uns ungefiltert ihre Strahlen.
Erst jetzt merkte ich, wie sehr sich der Platz gefüllt hatte. Alle blickten zu den Türmen, also tat ich es ihnen nach.
Die Glocken erklangen und da, ob man es glaubt oder nicht, die Taube mit goldenen Flügeln erschien. Sie flog zwischen den Türmen hervor und dann kurz zum Himmel empor, bis sie so stand, dass man sie nicht mehr ansehen konnte, ohne von der Sonne geblendet zu werden. Jeder Anwesende schien dies jedoch in Kauf zu nehmen, so auch ich. Plötzlich setzte sie zu einem Sturzflug an und rauschte über die Köpfe der am Jodok-Fink-Platz versammelten Menge. Ein Raunen ging durch die Masse, dann wurde es still. Mucksmäuschen ruhig.
Ich bekam den Moment, in dem die Taube ihren Abfall abschmiss, nicht mit, hörte aber einen Schrei, bevor sie anfing, mit den Flügeln, die übrigens nur, wenn sie von der Sonne angeschienen wurden, golden wirkten, zu schlagen und sich wieder zum Himmel zu erheben. Kurze Zeit später war sie wieder zwischen den Türmen verschwunden. Die Ruhe hielt weiterhin an. Dann klingelte ein Telefon. Immer noch hielten alle anderen den Atem an. Am ganzen Platz hörte man nur die eine Stimme, als hätte man demjenigen ein Mikrofon in die Hand gedrückt. Der Klang wurde von allen umliegenden Gebäuden zurück in die Mitte des Platzes geschleudert.
»Ja, Hallo, Gröll hier.« Eine kurze Pause entstand, niemand traute sich auch nur nach Luft zu schnappen.
»Ich kann sie also abholen? Jetzt sofort?« Infolge dieser Aussagen entstand ein Gemurmel.
»Es geht ihr also gut? Keine Nach- oder Nebenwirkungen? Sind Sie sicher?« Vereinzelt wurde geschrien und gerufen.
»Also gut, ich mach‘ mich sofort auf dem Weg ins Spital, bis gleich.« Er legte auf, die Menge eruptierte in Applaus und Freudeschreie. Über all dies hörte ich den Mann rufen: »Sie hat den Krebs besiegt, sie ist geheilt! Wie durch ein Wunder! Es ist ein Wunder!«
Die Menschen hatten in weiterer Folge praktischere Ratschläge, sie riefen: »Kauf‘ die Rubellose!« oder »Füll‘ einen Lottoschein aus!« oder »Mach‘ noch ein Abstecher im Kasino!«
Ich sah den Mann nur kurz, da er von einer Menschenmenge umzingelt den Platz verlies und sich in Richtung Florianigasse aufmachte. Er schien sich keine Mühe darum zu machen, den Vogelschiss von seinem Gewand zu entfernen.

2
Als ich am nächsten Tag kurz vor vierzehn Uhr auf den Platz eintraf, erwartete mich der Kellner mit einem schelmischen Grinsen und rieb sich die Hände.
»Sie glauben mir jetzt also, Sie sehen ein, dass es keine fiabe - kein Märchen ist!«
Ich lächelte ihm zu und sagte nichts. So genau wusste ich immer noch nicht, was ich von dem Ganzen halten sollte, doch meine Neugier war allemal geweckt.
»Ich heiße Vittore, wo möchten Sie sitzen?«
Der Tisch, an dem Mani laut den Erzählungen zu sitzen pflegte, war frei. Ich deutete mit dem Finger in die Richtung und Vittores schelmisches Grinsen gewann an Intensität.
»Sehr gut, sehr gut!«, war sein Kommentar dazu. Er schritt mir voran, ich folgte.
»Wollen Sie vielleicht ein Glas Rotwein genießen? Es dauert nicht mehr lange, bis die Glocken zur vollen Stunde schlagen.« Ich nickte und lächelte.
Aus allen drei Richtungen strömten Menschen heran. Die meisten stellten sich von mir aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes hin. Dort stand auch derjenige, der am Vortag mit Glück beschmutzt worden war.
»Seit wann dauert diese Sache schon an, Herr Vittore?« Der Wein, den er mir brachte, war lieblich, die Restsüße hing noch sehr lange nach.
»Es fing heuer, zur Christi Himmelfahrt, also am zwölften Mai, an. Seitdem hat die Taube keinen einzigen Tag versäumt.«
»Und Sie, lieber Vittore, was wäre ihr größter Wunsch, sollte die Taube ihren Abfall auf Sie abladen?«
»Oh Signore, ich trau es mich doch gar nicht, auszusprechen. Ich möchte es nicht verschreien. Sfortuna, verstehen Sie?« Damit ließ er mich mit meinem Wein allein und ging davon. Sein Jackett strahlte heute in Purpur und glitzerte nur so in der Sonne.
Ich versuchte, darüber nachzudenken, wieso die Italiener sich nicht die Mühe gemacht haben, ein neues Wort für das Gegenstück zu Glück, also Pech zu erfinden. Bei ihnen gibt es entweder Fortuna oder Sfortuna. Oder haben sie es besser als wir verstanden? Ist vielleicht ein Unglück eigentlich das Gegenteil von Glück und nicht das, was wir als Pech bezeichnen würden? Unter Pech finden wir im Wörterbuch folgende Erklärung: unglückliche Fügung; Missgeschick, das jemandes Vorhaben, Pläne durchkreuzt.
Beim Unglück steht geschrieben, dass es plötzlich hereinbrechend ist, ein unheilvolles oder trauriges Geschehnis.
Ich wollte mehr über diese zwei Ausdrücke reflektieren, kam aber nicht umhin, zu dem Schluss zu gelangen, dass der einzige Grund, weshalb Vittorio immerzu solch schillernde Jacketts trug, der war, dass er die Aufmerksamkeit der Taube auf sich lenken wollte. Ich wollte ihn während des Glockenschlags genau im Auge behalten.
Die wohligen Klänge, die nun schon seit Jahrhunderten die Herzen der Frommen erfreuen und an die Andacht erinnern, erklangen. Die Taube nahm heute keine Umwege mehr. So als hätte sie Sorge, sich verspätet zu haben, schoss sie hervor und sank sich über die raunende und flehende Menge. Aus dem Augenwinkel sah ich Vittorio. Er hielt beide Hände zum Himmel gehoben und hatte die Augen geschlossen. Ein Frauenschrei. Es klang mehr wie ein Quietschen.
Die Taube verschwand, die Ruhe kehrte wieder zurück.
»Liebe Sara Marinovic, willst du meine Frau werden? Willst du mir erlauben dich ein Leben lang mit all meinem Herzen und all meinem Sein zu lieben und zu ehren, bis das der Tod uns scheidet?« - Eine etwas zittrige Männerstimme hatte gesprochen.
»Ja, ich will, ich will, ich will!« - Die Stimme überschlug sich wieder und ging in ein Quietschen über. Alle applaudierten und auch ich schloss mich ihnen an. Vittorio kam mit von Tränen geschwängerten Augen und laut klatschend auf mich zu.
»Glauben Sie es doch einfachm, Signore, hören Sie auf, zu Zweifeln.«
Die üblichen Schreie ertönten wieder aus der Menge: »Spielt beim Lotto mit! Geht Rubbellose kaufen! Das Kasino wartet auf euch!«
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, trank noch etwas vom Wein und beobachtete die Menge, die sich langsam über dieselben drei Straßen, über die sie gekommen waren, gehend auflöste. Nur einige von ihnen suchten sich ein Platz auf eine der zwei Terrassen. Am Nachbarstisch setzte sich zum Beispiel so jemand hin und schnaufte erst einmal tief durch. Er klatschte im Anschluss mit beiden Handflächen auf den Tisch und streckte die Füße weit von sich. Sein Poloshirt war gebügelt, seine kurze Stoffhose ebenso. Die Haare waren streng zur Seite frisiert, die Brille ohne Ränder, und seine Männertasche aus Leder. Ich musste sofort an den Begriff Muttersöhnchen denken.
»Naja, war schon wieder nichts heute. Gestern stand ich zumindest auf der richtigen Seite des Platzes.«
Nachdem er das gesagt hatte, blickte er um sich, suchte nach jemandem, der Interesse zeigen würde, auf seine Aussage einzugehen. Ich war zu langsam, schaffte es nicht, mich wegzudrehen, bevor sein Blick mich erwischte.
»Wie lange warten Sie schon?«
»Ach, ich wurde eigentlich sofort bedient, der rote Wein ist äußerst süffig, obschon es doch noch sehr früh am Tag ist.«
Verwirrt blickte er mich an, ich konnte es an seiner Stirn ablesen – er konnte das von mir Gesagte in keinem Zusammenhang mit dem von ihm Erfragten setzten. Vittorio eilte ihm zur Hilfe.
»Herr Professore, war doch wieder nichts?«
»Nein, nichts! Gestern stand ich aber sehr nahe, es handelte sich vielleicht um zwei Meter. Mehr als drei waren es auf keinen Fall. Es erwischte stattdessen den Touristenführer!« Der Professore schnaubte verächtlich und verzog sein Gesicht.
»Der, der immer eine grüne Kappe trägt?« Vittorio war sichtlich schockiert.
»Genau der, lieber Vittorio, genau der. Er war gerade dabei, über das Löwenburgkonvikt zu referieren, sah nicht einmal zum Himmel.«
»Der glaubt doch nicht daran. Mamma Mia! Der hat mir in faccia gelacht. Ins Gesicht hat er mir gelacht. Nur, dass er mir den Vogel nicht gezeigt hat. Porco Dio!«
Der Kellner war so aufgebracht, dass er wieder, ohne die Bestellung des Professores aufzunehmen, verschwand.
»Ich war seit dem zweiten Tag dabei. Keinen einzigen Tag habe ich verpasst«, sagte jener zu mir, nickte theatralisch und richtete sich mithilfe des Daumens und des Zeigefingers die Brille über der Nase.
»Ich bin erst seit kurzem wieder in Wien.«
Er sah mich nur noch kurz, einen Tick zu berechnend, also schon fast abschätzig, an. Damit war die Unterhaltung beendet.

3
Ich tat mich schwer mit dem Rotwein. Die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne brannte erbarmungslos. Meine Ohren glühten schon und ich befürchtete, dass es mir schwindeln würde, sobald ich versuchen sollte, aufzustehen. Ich rief einen Kellner herbei und bestellte ein kaltes Wasser. Der Professore am Nebentisch bestellte Pizza und ein Bier. Unsere Blicke streiften sich noch ein paar Mal, aber wir hatten uns nichts mehr zu sagen.
Der Platz war schon fast menschenleer. Das Pärchen hielt sich immer noch, etwa zwanzig Schritte von meinem Tisch entfernt, eng umschlungen. Viele Menschen waren an ihnen vorbeigegangen, hatten meist dem Kerl auf den Schultern geklopft und ihnen gratuliert. Sie behielten ihre Umarmung bei bis jetzt, wo sich der Platz geleert hatte und die Neuankömmlinge, die ab und zu noch auftauchten, keine Ahnung hatten, dass sie die Glücklichen des Tages waren.
Vittorio brachte mir das Wasser.
»Ich werde mich niemals auf den Platz stellen. Ich stehe immer am Eingang meiner Terrasse! Wenn das Glück so will, so soll es sich die paar Meter weiter bemühen, und mich finden! Den Mani hat es auch hier auf der Terrasse erreicht.«
»Ja, ja, das liebe Glück!« Mehr fiel mir im Augenblick nicht dazu ein.
»Das Glück, Signore, das ist das, was am Ende des Lebens den Unterschied ausmacht. Hart schuften müssen wir Zeit unseres Lebens alle, aber mit ein bisschen Glück, da wird irgendwann einmal etwas aus dir. Lieben tun wir alle, mit ein bisschen Glück wird es die Liebe, die einem die gesamte Zeit hier auf Erden versüßt. Träumen tun wir doch alle, mit ein bisschen ein Glück, werden die auch wahr.«
Er wollte noch etwas hinzufügen, seine rechte Hand war wie die eines Dirigenten noch in der Luft, aber das Pärchen hatte ihre Umarmung endlich gelöst und kam händchenhaltend auf uns zu. Ich konnte den Schiss nicht erkennen.
Vittorio sah sie mit einem so neiderfülltem Gesicht an, dass es von vielen als gehässig verstanden werden konnte.
»So, nun seid ihr verlobt!«, rief ich ihnen zu und versuchte, mit meinem Lächeln den Gesichtsausdruck des Kellners auszubalancieren.
»Oh ja, wir sind schon seit der Mittelschule ein Paar, ich dachte schon, er fragt mich nie!« Die Frau sprach schnell und verhaspelte sich sogar ein paarmal. Dann drückte sie erneuert den glücklich strahlenden Mann an sich und ihm einige Küsse auf die Stirn.
»Und die Taube?« Vittorio konnte nicht mehr an sich halten.
»Oh ja,« Sie lachte hysterisch. »Die hat mich voll auf dem Rücken erwischt, während ich mir die Schuhbänder band. Ich spürte es auf meinem Rücken landen, doch ich hatte keine Zeit, etwas zu sagen, sobald ich mich wieder aufrichtete, ging er auf die Knie. Jetzt guckt euch mal seine Ärmel an.«
Der Kerl holte die Arme hervor und drehte sie mit den Handflächen nach oben. Man konnte auf beiden Unterarmen sehen, wo er als erstes den Taubenschiss angefasst und in welcher Richtung er alles verschmiert hatte.
»Jetzt sind wir einmal in Wien und dann passiert uns so was«, war die Meinung des Mannes dazu.
»Und, du wusstest, dass du ihr hier auf diesem Platz einen Antrag machen wirst?«, fragte ich interessiert.
»Aber nein, ich wusste nur, dass es während unserem Wienwochenendes passieren wird…«
»Passieren muss!!«, warf sie ein, gefolgt von dem hysterischen Gelächter.
»Ich wollte es ja machen«, sagte er, immer noch strahlend, aber schon auch etwas abwehrend klingend, »jedenfalls habe ich mich vielleicht von der Atmosphäre hier am Platz mitreißen lassen. Als dann all die Leute hier aufgetaucht sind, die Glocken geläutet haben, die Sonne geschienen hat – es war einfach ein magischer Moment!«
»Und alle Menschen haben geklatscht. Alle haben sie geklatscht. Du versprichst mir, dass du niemanden bezahlt hast, damit sie hierherkommen und klatschen?« Sie hielt ihn nun an beiden Backen. Er lächelte schüchtern zurück.
»Wovon sprichst du, Liebling, ohne der Hilfe meines Vaters werde ich es mir wahrscheinlich nicht einmal leisten können, den engsten Kreis von Freunden zu unserer Vermählung einzuladen.« Dann drehte er sich zu mir und Vittorio um und fuhr in einem erklärenden Ton fort. »Ich habe mich ein bisschen an der Börse versucht, doch scheinbar ist das kein gutes Pflaster für einen Bauernjungen aus Altlengbach.«
»Hast du eine Möglichkeit, die Aktienkurse auf deinem Mobiltelefon abzurufen?«, ich fragte weiterhin neugierig, während dem Vittorio neben meinem Tisch schon fast der Kopf rauchte.
»Ja natürlich, aber wieso sollte ich mich an diesem schönen Tag mit so etwas rumärgern?«
»Tu es doch einfach. Immerhin hast du die Finanzen angesprochen.« Meine Stimme war bestimmt, mein Lächeln immer noch das allerfreundlichste.
Er zögerte kurz, holte dann aber sein Handy aus der Tasche, sah mich noch kurz an, und begann dann, am Bildschirm herumzuwischen. Er sah mich noch einmal kurz an, ich lächelte weiter. Dann führte er sein Handy nahe zum Gesicht - ab da war er wie vom Blitz getroffen.
»Liebling, du wirst es nicht glauben!«
»Was? Was? Was ist denn, Liebling? Jetzt rede doch mit mir!«
»Madonna! Cavalo! Porca Miseria! Leccaculo! Die wissen nichts über die santa colomba! Porco dio!«
Vittorio zog schimpfend und fluchend von dannen, dabei stieß er mindesten drei Tische aus dem Weg. Auch jenen, an dem der Professore saß - er war fuchsteufelswild!
»Was ist mit ihm los?« Der Kerl war verunsichert, hielt sein Handy fest an die Brust gepresst, verschmierte dadurch ein bisschen was von seinem Ärmel auch auf die Brust.
»Ach, seitdem er das Geld seiner Frau im Kasino verspielt hat, reagiert er immer so bei Geldangelegenheiten.«
Die zwei glaubten mir und wandten ihre Aufmerksamkeit wieder ihren eigenen Angelegenheiten zu.
»Liebling, wenn das stimmt, was ich hier gelesen habe, dann können wir das Gehöft unserer beider Eltern kaufen und sie alle nach Hawaii schicken.«
Das Gequietsche und hysterische Geschrei, welches darauf folgte, kann man gar nicht in Worte fassen also beende ich dieses Kapitel hier.

4
Ein ähnliches Schauspiel durfte ich auch noch in den nächsten drei Tagen beobachten. Am vierten Tag jedoch, ich hatte auf Spritzweine umgestellt, die sich weitaus besser mit den warmen Temperaturen vertrugen, erschien die Taube, ließ einmal noch ihren Abfall auf einer Mutter fallen, die damit beschäftigt war, ihr weinendes Baby zu beruhigen, und landete dann auf dem Boden. Sie flog nicht mehr zwischen die Türme der Maria-Treu-Kirche zurück. Sie landete auf den Boden, und begann alsbald, wie jede andere gewöhnliche Taube, den Boden nach Essbarem abzusuchen. Die Menschen umkreisten sie, trauten sich aber nicht, sie zu berühren.
»Hebt sie auf! Bringt sie wieder zum Fliegen!«
Viele schrien, aber niemand brachte den Mut auf, sich ihr zu nähern. So auf dem Boden unterschied sich die Taube wirklich in keiner Weise mehr von den vielen anderen dieser Lebewesen ihrer Art, die sich so gut an das Zusammenleben mit uns Menschen gewöhnt haben. Sie war zwar sehr weiß und rein, und die Farbe ihrer Flügel gelblicher als ich es bei den meisten beobachten durfte, doch damit hatte es sich auch schon.
Vittorio brach an jenem Tage in Tränen aus. Er betet Lauthals das Vaterunser und rezitierte das Ave Maria, bekreuzigte sich hunderte Male, doch die Taube ging von alldem unbeeindruckt ihres Weges.
Erst, als sie zur Piaristengasse kam und ein Auto sie zu überfahren drohte, schwang sie sich schnell wieder in die Höhe. Nur so viel wie es notwendig war, um dem Fahrzeug auszuweichen. Zwei oder drei Flügelschläge. Dann landete sie wieder auf der Maria-Treu-Gasse und verlor sich zwischen den geparkten Autos.
Vittorio und ich blieben trotzdem gut befreundet. Wann auch immer ich in der Gegend bin, setze ich mich gerne auf einen Spritzwein bei ihm hin. Auch so wollte er mir aber nie erzählen, was seine Vorstellung von Glück wäre. Es könnte ja sein, dass die Taube im nächsten Jahr, zu Christi Himmelfahrt, wieder auftaucht. Ich erfuhr hingegen, dass ihn seine Frau seiner Meinung nach nicht mehr liebte, sondern nur noch des Geldes wegen bei ihm blieb. Seine Kinder dürften ihm die Schuld dafür geben, da er ihrer Meinung nach sein Restaurant mehr geliebt hatte als seine Familie.
»Hier zu stehen und die Menschen glücklich und wohlgenährt zu sehen, ihren angeregten Geschichten nach zwei, drei Gläsern Wein zuzuhören. Das ist für mich Glück, Signore, das macht mich glücklich. Aber diese undankbaren Seelen, die werden es wohl nie verstehen. Wenn die Gäste sich vom Tisch erheben und sich auf die gerundeten Bäuche klopfen, wenn sie mit vom Alkohol geröteten Wangen auf mich zukommen, sich bedanken, unsere Arbeit loben, das ist die wahre Erfüllung, Signore. Man weiß dann, man hat alles richtig gemacht und damit etwas zu der Freude anderer beigetragen.«
Ich halte Vittorio für eine sehr romantische, aber leider verkannte oder missverstandene Seele.

Leer

Als Vendula endlich zum Treffen erschien, stand ihr die Hetze und die Unordnung förmlich ins Gesicht geschrieben. Die Stirn war von einem Schweißfilm bedeckt und sehr blass, während die Wangen vor Röte glühten. Eine Haarsträhne hatte sich in ihrem rechten Mundwinkel verfangen, ihr Blick grenzte schon förmlich an vollkommener Verwirrung. Ihr Lachen war jenes, welches durch schiere Willenskraft zustande gebracht wird – von jemanden dem im Grunde ganz und gar nicht nach Lachen zumuten ist.
»Ach du, es tut mir ja so leid, ich hätte dir ja geschrieben, aber du kennst es ja – nichts, was von einer Batterie betrieben wird, hält sich jemals in meiner Hand. Der Akku meines Handys war schon kurz nach dem Verlassen des Hauses wieder leer. Es ist wie ein verdammter Fluch, der auf mir lastet…«
Sie sah mich kurz und wirr an, versuchte, mit der rechten Hand die Strähne aus ihrem Mundwinkel zu befreien, griff dabei einige Male daneben, lachte im Anschluss ein schon fast hysterisches Lachen.
Von einem etwaigen Fluch war mir nichts bekannt, ich wurde aber von gemeinsamen Freunden darauf aufmerksam gemacht, dass der Mann, in den sie so wild und kopflos verliebt gewesen war, sie nun endgültig in den Wind geschossen hatte und, dass der sich auf Nimmerwiedersehen aus dem Staub gemacht hatte. So wie ich Vendula kannte, würde sie über alles andere reden wollen als darüber. Ihre Eitelkeit würde es ihr verbieten, auch nur eine einzige Bemerkung zu diesem Thema fallen zu lassen, obwohl ihr ganzes Wesen und Erscheinungsbild darauf hinwies, wie nötig ihr eine Aussprache mit anschließendem Geheule tat. Im gesamten Freundeskreis waren wir uns einig, dass dies niemals passieren würde, aber gleichzeitig auch, dass es nichts bringen würde, Druck auf sie auszuüben und solch einen Ausbruch zu erzwingen. Viel eher würde sie sich dann von uns allen abkapseln und ihren Schmerz in aller Einsamkeit ertragen, als vor irgendeinem von uns Schwäche zu zeigen. So war sie, unsere Vendula, und so blieb uns nichts anderes übrig als ihr beizustehen, den Elefanten im Raum schön zu ignorieren und zu umgehen, zu versuchen, das verschonte Porzellan zu finden und damit etwas anzufangen.
»Das hab´ ich dir doch schon erzählt, oder? Keine elektrische Zahnbürste, keine Fernbedienung und keine batteriebetriebene Uhr kann ich anfassen, ohne dass diese schon nach wenigen Minuten, ach du, was rede ich hier eigentlich, Sekunden, es sind Sekunden, innerhalb dessen diese Geräte ihren Geist aufgeben.«
Erneuet lachte sie ein Lachen, welches auf eine sich annähernde oder schon längst angekommene Hysterie deutete. Ich drückte sie in meine Arme. Sie ließ sich darin wie ein Kind fallen, welches sich für längere Zeit in einer ihm fremden Umgebung von den Eltern verloren und erst ganz kurz, bevor die vollkommene Verzweiflung von ihm Besitz ergriff, diese wieder gefunden hatte. Ich tätschelte ihren Rücken, sie umschlang mich noch enger. Dann entfuhr ihr ein langer Seufzer. So als hätte ihre Selbstbeherrschung für einige Momente ihren Dienst versagt. Schockiert davon stieß sie sich von mir ab, verhalf sich zu einem weiteren Lacher und schlug mir mit einer kraftlosen Faust gegen den rechten Oberarm.
»Na du? Was hast du so getrieben? Jetzt haben wir uns echt schon lange nicht mehr gesehen. Unglaublich, dass du immer noch in Wien verweilst. Ich hätte alles darauf verwetten können, dass dich nichts und niemand so lange hierbehalten würde.«
Als hätte ich auf ein Zeichen eines Dirigenten für meinen Einsatz gewartet, nahm ich das Reden auf und lobpries die Stadt und steigerte mich in Superlativen über die Zeit, welche ich in Wien verbracht hatte, den Menschen, denen ich begegnet war und die schöpferische Gewalt, von der ich in dieser Stadt erfasst wurde. Sie hörte aufmerksam zu, verpasste an keiner Stelle, an der ein Lachen angebracht war, auch eines anzubringen, während sich unsere Schritte schon fast automatisch meiner Wohnung zuwendeten.
Ich schloss damit ab, dass mich in letzter Zeit das Fernweh zwar immer öfters und immer stärker packte, ich mir aber gut und gerne vorstellen könnte, mein Bleiben in Wien noch für eine erhebliche Zeit auszuweiten.
»Faszinierend, wie wenig gut wir uns im Grunde selbst kennen. Da meint man, genug Zeit mit sich selbst verbracht zu haben, um zu wissen, was einem gut tut, wo es einem am besten geht, welchen Weg man am besten einzuschlagen hat, aber dann geht man noch zwei Schritte und schon sieht die Welt ganz anders aus. Man selbst kommt sich fremd vor. Gibt es den noch irgendetwas, woran man festhalten kann?«
Ein leichtes Gefühl beschlich mich, wonach das, was sie sagte, nur wenig bis gar nichts mit dem zu tun hatte, worüber ich gesprochen hatte. War es möglich, dass die von ihr erbaute und so eisern verteidigte Mauer so langsam zu bröckeln begann? Diesen Fatalismus, dieser Hang, alles zu verallgemeinern und zu dramatisieren, kennt man bei Personen, die Schlimmes durchzustehen haben, sehr gut. Lange Zeit ist schon seit dem lobenswerten Hiob vergangen und nur wenige Menschen haben sich gefunden, die in dessen Fußstapfen zu treten bereit waren. Ich musste an diesen Helden der Bibel denken, der von Gott für würdig befunden wurde, um auf seiner Kappe, oder mit seiner Beihilfe, dem ewigen Feind eine auszuwischen. Ich wollte aber weder in ihrem Fatalismus miteinsteigen noch altklug wirken, also suchte ich nach einem Auflockerungswitz: »Sicher ist auf jeden Fall, dass batteriebetriebene Geräte in deinen Händen so gut wie nutzlos sind.«
»Ja genau! Ach du, zumindest diese eine Sache lässt mich noch eine schwache Hoffnung hegen, dass nicht alles verloren ist oder vor die Hunde geht.« Wir lachten beide. Sie dicht an der Grenze zur Hysterie, sich aber eisern kontrollierend, ich eher verhalten und unsicher.
»Du lachst jetzt«, sagte sie, »aber ein Horrorszenario für mich war es immer schon, mich des Nachts irgendwo in einem dunklen Wald oder Dachboden zurechtfinden zu müssen. Keine Taschenlampe dieser Welt, egal welches Preisschild diese tragen würde oder welche Technologien darin verbaut sein würden, wären mir eine Hilfe. Im Null-Komma-Josef würden die sich entladen und mich in der Dunkelheit auf mich selbst gestellt lassen. Fürchterlich!« Sie lachte, ich kramte in meiner Tasche nach den Schlüsseln, sperrte auf, hielt ihr die Türe auf, beeilte mich dann, um sie wieder zu überholen und den Fahrstuhlknopf zu betätigen.
»Ach du, wärst du mir sehr böse, wenn wir uns einfach einen Film oder eine Serie suchen und uns davon berieseln lassen würden? Irgendwie steigt mir gerade alles über dem Kopf, die Arbeit, sonst alles. Ich finde, dass ich schon gar nicht mehr weiß, was ich noch reden könnte, ich habe alles schon so oft zerkaut und wiedergekaut…«
Ich hatte natürlich nichts dagegen, war mir aber auch bewusst, dass sie nichts Wesentliches, nichts von dem, was sie wirklich bedrückte, jemals oder bei irgendwem, angesprochen hatte. Aber so war sie, unsere Vendula. Ich war mir schon gar nicht mehr sicher, ob es tatsächlich die Eitelkeit war. Vielleicht hatte es auch etwas mit ihrer Erziehung zu tun. Wer kann so etwas wissen, über ihre Familie sprach sie ja auch so gut wie nie. Niemand wusste, wie es um ihre Beziehung zu den Eltern stand. Wurde ihr vielleicht von klein auf eingeimpft, alles in sich zu schlucken und zu versperren? Ja keine schmutzige Wäsche in aller Öffentlichkeit waschen? Oder, dass die Menschen einem niemals aus Liebe, also der uneigennützigen Liebe, beistehen sondern nur aus einer perversen Lust am Lästern? Während der Fahrt im Aufzug sah ich sie mir im Spiegel näher an. Sie beobachtete die eigenen Schuhspitzen und eine beklemmende Stille hatte sich in der kleinen Kabine breit gemacht.
Sie war viel schlanker als ich sie in Erinnerung hatte. Dem Mittelscheitel entlang konnte man viele Kopfhautschuppen erkennen. Die Lichter in den Aufzügen kamen mir immer schon unvorteilhaft und indiskret vor. Ob sie wohl weinte, wenn sie allein war? Oder war sie auch gegenüber sich selbst so verschlossen wie gegen uns alle? Wie leicht doch das Leben wäre, wenn Gedanken Stimmen hätten. Wenn man sie so hören könnte, wie sie einem durch den Kopf schwirrten, ohne zuerst all die Siebe und Trichter zu durchlaufen, bevor sie beim Mund hinauskamen. Dann könnte man den Mund zum Küssen und Essen verwenden und den Gedanken das Sprechen überlassen. Auch wenn dies bedeuten würde, dass die Menschheit, gleich Hummeln, von einem unaufhörlichen Sumsen begleitet sein werden würde, man könnte sich leicht daran gewöhnen, oder besser noch, man würde es nicht anders kennen. Auch diese kleinen schwarz gelb gekleideten Tierchen scheinen von ihrem Begleitgeräusch in keiner Weise belästigt zu sein. Alles, oder alle Alternativen, wären mir lieber verglichen mit diesem Körnerpicken, zu dem wir als Menschen tagein, tagaus gezwungen werden. Was ist Weizen? Was ist Spreu? Was die Wahrheit? Was ein Schutzmechanismus? Eine glatte Lüge, eine sich selbst glaubhaft gemachte Lüge, eine übernommene Lüge oder Überzeugung, ein nicht Wahrhabenwollen, ein Täuschungsversuch, eine Angst, Unsicherheit, Bangen? Durch all das werden wir gezwungen, wie blinde Hühner zu navigieren und es wird uns nur in den Ausnahmefällen vergönnt, auch wirklich einen Korn zu finden.
Wir betraten meine Wohnung, in der wir von einer angenehmen Wärme und der Sonne, die im Untergehen begriffen war, begrüßt wurden. Sie seufzte erneuet und lehnte sich mit dem Hintern gegen die Eingangstür, um sich der Stiefletten zu entledigen. Dazu brauchte sie die Unterstützung ihrer beider Hände.
»Geh schon einmal ins Wohnzimmer und schalte den Fernseher ein, guck dich einmal um und entscheide du, was wir sehen wollen«, schlug ich vor. Ich wollte in der Zwischenzeit einen Kaffee zubereiten sowie zwei weiße Spritzer.
»In Ordnung«, antwortete sie mir und tat wie geheißen.
Wir sahen uns an jenem Tage Forrest Gump an. Wann auch immer ich sie von der Seite her anblickte merkte ich, dass sich ihre Lippen bewegten und sie den Text so gut wie auswendig kannte. Bei der Szene unter dem Baum, an Jennys Grabe, vergoss Vendula einige Tränen, die sie sich mit den Ärmeln von den Wangen wischte.
Nach dem Film verabschiedete sie sich schnell und enteilte hinaus in die Nacht. Ich stand noch lange, nachdem der Fahrstuhl abgefahren war, in der offenen Haustüre und konnte mich nicht so richtig entscheiden, ob ich ihr nun geholfen hatte und ob es nicht doch besser gewesen wäre, wenn ich versucht hätte, an ihrem Lack zu kratzen, bis sie endlich mit ihrem Schmerz hinausrückte.
Aus dem Wohnzimmer ertönte weiterhin die Musik Alan Sivestris. Die Feder war schon lange verflogen und auch vom Abspann nicht mehr viel übrig. Als ich auf die Fernbedienung drückte, um den Fernseher auszuschalten, rührte sich nichts. Genauso auch nach dem fünften und sechsten Mal drücken. Die Batterien waren unbestreitbar leer.

Piarist Miracle Vienna, 23.05.2023 Empty Vienna, 23.05.2023

Piarist Miracle

1
I heard about it from a loquacious waiter. Apparently, my friendly smile encouraged him to insist on the veracity of his stories. I must have looked like a parent showing his child that he was paying attention, even though it was clear to both that the child was speaking nonsense.
“You can believe me or not, signore. It’s best to see for yourself. Basta! It only takes due minuti. Dai!”
The waiter—an Italian, as you would expect—incorporated more and more words from his mother tongue after he realized that he was not being taken seriously. Before that, he recited the story in excellent German:
“You are not from here, signore, am I right? You smiled, even before having a taste of your drink. Your forehead is not wrinkled, and your eyebrows are not drawn together. Where are you visiting us from, signore?”
I briefly explained that I grew up in Vienna, but I hadn’t visited my hometown for a long time. The furrow of his eyebrows made it obvious how much it bothered him not to have been proven right.
“Good, good, signore. But you haven’t been here for a very, very, very long time.”
I raised the corners of my mouth by three degrees and nodded to let him have that small victory.
“Then you probably haven’t heard of the Piarist miracle. I want to tell you about it.”
His colleagues were running frantically all over as the terrace was filled with guests. Every so often, the sun peaked out from behind the clouds and gently caressed the skin and hair of everyone who sought it. But this waiter seemed unconcerned about all that was going on around him. His jacket was darker, yet sparkled brighter, than the others.
“At two o’clock, signore, a white dove with golden wings appears from between the towers of the Maria Treu Church and descends over the square. Whoever its waste hits experiences incredible luck. Immediate, unbelievable fortune, signore.”
“By waste, do you mean shit, sir?”
“Rubbish, signore. Merda! Kaka! Excuse me. You’re sitting at the table, so waste.”
“I understand.”
“No, signore. You don’t understand. It’s indescribable luck that takes hold of you and, as far as I know, doesn’t ever let go. Mani, for example, has been coming to us for years to drink his glass of red wine. He never ate, just always wanted a glass of the house red. He always sat there.”
He pointed to a seat on the outer edge of the terrace. I glanced over, nodded, and smiled again. Images of a Sunday came to mind. I must have been around ten years old. My sister and I walked along Landstrasse Hauptstrasse in our best attire to get to the Kardinal-Nagl-Platz subway station on our way to church.
She wore a new dress, and she was so happy with it. She hadn’t talked about anything else all week. It was white, like that of a happily-in-love bride. The sun was shining, even though it was still in the middle of winter. My parents called it a toothy sun, or a sun with teeth. And although it was bright outside, it was bitterly cold. The dress glittered and sparkled. Until a pigeon flew over our heads and relieved itself, with its droppings landing all over my sister and staining her new dress. She cried bitterly. I couldn’t help but smirk wistfully at the memory, which in turn caused the waiter to crumple his eyebrows even more.
“After he finished his red with us, he always went to the post office there on Maria-Treu-Gasse and bought two scratch cards. A SCHATZTRUHE, one CASH. He followed this ritual five days a week. Mani took an early retirement. An unpleasant story, I tell you. If his neighbors weren’t such chatterboxes, I would’ve definitely never known the real reason for his early retirement.”
I cracked a smile at the fact that he called other people chatterboxes, which made his eyebrows almost meet in the middle.
“He wanted to get up that day like he always did and walk to the post office. The dove flew over and placed its waste right on his left shoulder. I helped him wipe it off, signore. As true as I am standing here before you.”
“What happened next?” I wanted to order tea and finally have the menu handed to me.
“He went to the post office and bought the two scratch cards, as usual. He won the highest amount in both. Eighty thousand euros, signore. On the way from the post office to here, his son called him to inform him that he had been sent to Chile as the new Austrian ambassador. And while he was telling me all this and showing me the scratch cards, his high school sweetheart, whom he hadn’t seen for over thirty years, called him because she so happened to find his number on the internet. Do you understand now, signore?”
“Cute story,” I grinned.
What followed was the outburst spiked with aggressive-sounding Italian words described in the beginning, followed by the waiter turning around and leaving in frustration without taking my order. A strange guy, it seemed to me as if he were controlling the dove himself via Wi-Fi or radio. Why else would my skepticism offend him so much? And anyway, what kind of story was that?
I waited for two minutes. The clouds shifted, and the sun had a free path yet again to share its unfiltered rays with us. Only then did I notice how much the place had filled up. Everyone was admiring the towers, so I followed suit. Then, the bells rang, and believe it or not, the golden-winged dove appeared. It flew out from between the towers and then briefly flew up into the sky until it was so high that you could no longer look at it without being blinded by the sun. However, everyone took the risk of blindness, including me.
Suddenly, the dove swooped down and rushed over the heads of the crowd gathered at Jodok-Fink-Platz. A murmur went through the mass, and then it became quiet. Quiet as a tomb.
I didn’t notice the moment the bird relieved itself, but I heard a scream before the bird began to fly away. By the way, its wings only looked golden when the sun shined directly on them when they were raised towards the sky. A short time later, she disappeared among the towers.
The calm continued.
Then a phone rang.
Everyone else was still holding their breath. You could only hear one voice in the whole place, as if a microphone had been placed by that person’s mouth. The sound bounced from all the surrounding buildings back into the center of the square.
“Yes, hello, Gröll here.” There was a short pause. No one ever dared to gasp. “So I can pick her up? Right now?” A wave of whispers was heard among the crowd. “So, she’s okay? No side effects? Are you sure?” People started getting louder and louder. “All right, I’ll head to the hospital right away. See you soon.” He hung up, and the crowd erupted in applause and shouts of joy. Over all this noise, I heard the man scream.
“She has beaten cancer! She is cured! It’s a miracle!”
People offered what they considered to be practical advice.
“Go and buy scratch out cards!”
“Fill out a lottery ticket!”
“Take a trip to the casino!”
I only saw the man briefly as he left the square, surrounded by a mass of people as he headed towards Florianigasse. He didn’t even bother to wipe the bird shit off his jacket.

2
When I arrived at the square the next day, shortly before two p.m., the waiter was waiting for me, rubbing his hands up and down with a mischievous, “I-told-you-so” grin on his face.
“So you believe me now, right, signore? You see that it’s not a fiaba. Not a fairy tale!”
I smiled at him and said nothing. I still didn’t know exactly what to think of the whole thing, but my curiosity was undoubtedly piqued.
“My name is Vittore. Where would you like to sit?”
I looked for the table that Mani, the fortuitous man the waiter told me about, used to sit at. I noticed that it was free, so I pointed at it, and Vittore’s grin widened intensely.
“Va bene. Very good!” he commented. He walked ahead of me, and I followed.
“Would you like to enjoy a glass of red wine? It won’t be long until the bells chime on the hour.”
I nodded and smiled.
People poured into the square from all directions. Most of them stood on the opposite side of the square from where I was sitting. The man who had been bestowed with luck the previous day was also standing there.
“How long has this been going on, Mr. Vittore?” The wine he brought was so sweet, it lingered in my mouth for a long time after I sipped it.
“It started this year on Ascension Day. The twelfth of May. The dove hasn’t missed a day since.”
“And you, dear Vittore. What would be your greatest wish if the dove dumped its waste on you?”
“Oh, signore. I don’t even dare say it. I wouldn’t want to jinx it. Sfortuna, you know?” With that, he left me alone with my wine and walked away. His suit was purple that day, and it glittered dazzlingly in the sun.
I wondered why Italians didn’t bother to create a new word for the equivalent of good luck. Take the expression “bad luck” as an example. In German, one would use pech for bad luck, while unglück means misfortune. Italians, though, have fortuna or sfortuna. Or did they simply understand it better than we did? Is misfortune (unglück) actually the opposite of luck and not what we would call bad luck (pech)? The dictionary defines bad luck as “unfortunate coincidence; a mishap that thwarts someone’s plans.” Misfortune, on the other hand, is defined as “a disastrous or sad event that occurs suddenly.” I wanted to reflect more on these two expressions, but the only conclusion I came to was that Vittore wore flashy suits all the time to attract the dove’s attention. I decided that when the bell rang, I’d keep a close eye on him.
The pleasant sounds that have been delighting the hearts of the pious for centuries and reminding us of devotion were heard. The dove took no detours. As if she were worried or late, she shot out and flew closely over the murmuring and pleading crowd. I saw Vittore out of the corner of my eye. He had his eyes closed and both hands raised towards the sky. A woman screams (shrieks, I should say). The dove disappeared, and calm returned.
“Dear Sara Marinovic, do you want to be my wife? Will you allow me to love and honor you with all my heart and all my being for the rest of our lives, until death do us part?” A somewhat shaky male voice spoke.
“Yes! I want, I want, I want! Yes!” The female voice cracked again and turned into a cry of happiness. Everyone applauded, and I did, too. Vittore came towards me clapping loudly with tears in his eyes.
“Just believe it, signore. Stop doubting.”
Again, the crowd offered their usual advice.
“Play the lottery! Go buy scratch cards! The casino is waiting for you!”
I leaned back in my chair, drank some more wine, and watched everyone slowly disperse down the same three streets they had come in from. Only a few of them found a place on one of the two terraces. Someone sat down at the table next to me and took a deep breath. He then slapped both of his palms on the tabletop and stretched his legs. His polo shirt was neatly ironed, as were his shorts. His hair was styled strictly to the side. His glasses were rimless, and his men’s bag was made of leather. I immediately thought of the expression “mama’s boy.”
“Well, nothing again. At least yesterday I was on the right side of the square.”
After he said that, he looked around, searching for someone showing any interest in his comment. I was too slow and didn’t manage to turn away in time before his eyes caught mine.
“How long have you been waiting?”
“Actually, the service here is great. I was served right away. The red wine is mouthwatering, although I know it is very early in the day.”
His forehead scrunched up, his head titled slightly, as he looked at me rather confusingly. He was trying to connect what I answered with what he asked. Vittore rushed to his aid.
“Professore, nothing again?”
“Nothing! But yesterday, I was very close. I was maybe two meters away, no more than three! It got the tourist guide instead!” The professor snorted contemptuously and twisted his face.
“The one who always wears a green cap?” Vittore was visibly shocked.
“Exactly that one, dear Vitorre. He was talking about the Löwenburgkonvikt and wasn’t even looking up at the sky.”
“He doesn’t believe it. Mamma mia! He laughed at me in faccia! He laughed in my face! I’m surprised he didn’t flip me off and call me an idiot. Porco dio!”
Vittore was so upset that he turned around and stormed off without taking the professor’s order.
“I’ve been here since the second day. I haven’t missed a single one,” he said to me, nodding theatrically while using his thumb and forefinger to adjust his glasses over his nose.
“I’ve only returned to Vienna quite recently.”
He looked at me briefly, a bit too calculatingly, almost dismissively. And that ended the conversation.

3
I struggled with the red wine. The clouds had cleared, and the sun was blazing mercilessly. My earlobes felt hot, and I was afraid the world would spin around me if I tried to stand up. I called over a waiter and ordered a glass of cold water. The professor at the next table ordered pizza and a beer. Our stares met each other a few more times, but we had nothing more to say to each other.
By this time, the place was almost deserted. The couple was still hugging each other tightly, about twenty paces from my table. Many people walked past them, and some would give the man a congratulatory pat on the shoulder. They maintained their embrace until the place had emptied and the new guests who appeared sporadically had no idea that it was them who were the lucky ones of the day.
Vittore brought me the water.
“I’ll never stand in the plaza. I’ll remain at the entrance to this terrace! If the dove is so special, it should fly a few meters further and find me. Besides, Mani was here when he got hit.”
“Yes, yes. Good ol’ luck.” That’s the only response I could think of at that moment.
“Luck, signore, is what makes all the difference. We all have to work hard throughout our lives, but with a little luck, you can become something at some point—we can reach our potentials. We all love, but with a little luck, it can turn into the type of love that sweetens your entire time here on earth. We all dream, and with a bit of luck, those dreams will come true.”
He looked like an impassioned poet, or like a conductor with his right hand in the air, flowing with every word he said. He was about to say something else when the couple finally broke their embrace and came towards us holding hands.
I was curiously looking for the bird shit but couldn’t find it. Vitorre, on the other hand, was looking at them with a face so full of envy that even a blind person could interpret it as spiteful.
“So, you’re engaged!” I called out to them, trying to balance out the waiter’s expression with my smile.
“Yes! We’ve been together since middle school. I thought he’d never ask me!” The woman spoke excitedly and stumbled over her words. Then she hugged the happily beaming man again and kissed him on the forehead.
“And the dove?” Vittore couldn't contain himself any longer.
“Oh, yes, the dove,” and answered as she laughed joyously. “It caught me on my back while I was tying my shoelaces. I felt it land on my back, but I didn’t even have time to react. As soon as I stood up, he was on his knees. Now look at his sleeves!”
The man proudly showed us his shit-stained sleeves as if he were showing us a gold trophy. You could see on his forearms where he first touched the shit and in which direction he smeared it all.
“Now that we’re in Vienna, something like this was bound to happen to us,” was the man’s only opinion.
“So you knew you were going to propose to her right here?” I asked inquisitively.
“No, not necessarily. I just knew that it would happen during our weekend in Vienna—”
“It had to happen!” she interjected, and then continued to giggle playfully and ecstatically.
“I wanted to do it,” he said, still beaming but also sounding a bit defensive. “Perhaps I got carried away by the atmosphere here. When everyone showed up, the bells rang, the sun shone…it was just a magical moment.”
“And everyone clapped! They all clapped! You promise you didn’t pay anyone to come here and clap to add to the romance of it all?” She now held him by his rounded, smiling cheeks.
“What are you talking about, darling? Without my father’s help, I probably won’t even be able to afford to invite my closest friends to our wedding.” Then he turned to me and Vittore and explained to us his financial situation as if we had asked. “I tried the stock market a bit, but apparently it’s not a good environment for a farm boy from Altlengbach.”
“Do you have a way to check the stock prices on your phone? Maybe you can see how your deposit is doing.” My curiosity was leading me, while Vitorre was next to my table, still fuming.
“Yes, of course I can. But why should I bother with something like that on a day like this?”
“Just do it. You mentioned finances just moments ago.” My voice was firm, but my smile was still the friendliest.
He hesitated for a moment, but then took his cell phone out of his pocket. He looked at me suspiciously, then started swiping around on the screen. He looked at me briefly again, and I continued to smile. Then he brought his cellphone close to his face, as if he couldn’t believe the numbers on the screen. From then on, he was struck by lightning.
“Darling, you won’t believe it!”
“What? What? What is it, darling? Tell me!”
“Madonna! Cavalo! Porca Miseria! Leccaculo! They don't know anything about Santa Colomba! Porco dio!”
Vitorre ran away, cursing and bursting in anger, flailing his arms aggressively, and knocking down at least three tables, including the one the professor was sitting at. He was livid.
“What’s wrong with him?” The guy was unsettled and held his cell phone tightly to his chest, smearing a bit of his luck that was on his sleeve onto his chest.
“Oh, ever since he gambled his wife’s money in the casino, he’s always reacted like that when it comes to money matters.”
The two believed me and turned their attention back to their own business.
“Honey, if what I read here is true, then we can buy both of our parents’ homesteads and send them all to Hawaii.”
The hysterical squealing and screaming that followed cannot possibly be put into words, so I’ll end this chapter here.

4
I observed similar spectacles over the course of three more days. However, on the fourth day—after I had switched to sparkling wine because it was far more compatible with the warm temperatures—the dove appeared, dropped its waste once more on a busy mother trying to calm her crying baby, and then landed on the floor. It did not fly back between the towers of the Maria Treu Church. Like any other ordinary pigeon, it began searching the ground for food. People circled the dove but didn’t dare touch it.
“Pick it up! Make it fly again!”
Many suggested, but no one had the courage to approach. Walking on the ground, the dove really didn’t differ in any way from the many others of its kind that have become so accustomed to living with us humans. It was indeed very white and pure, and the color of its wings was more yellowish than I have seen on most, but that was it.
Vitorre burst into tears that day. He prayed the Lord’s Prayer loudly, recited the Hail Mary, and made the sign of the cross hundreds of times, but the dove went on its way, unaffected by his piety.
It was only when she got to Piaristengasse, when a car nearly ran her over, that she quickly and briefly lifted herself back up into the air, but only enough to avoid the vehicle. Two or three wing flaps, and that’s it. Then she landed back on Maria-Treu-Gasse and got lost between the parked cars.
Vitorre and I remained good friends. Whenever I’m in the area, I like to sit down with him for a spritz. Even then, he never wanted to tell me what his idea of abundant luck was. He believed that the dove would appear again next year on Ascension Day. However, I learned that, in his opinion, his wife no longer loved him and only stayed for the money. His children blamed him for that because, in their opinion, he loved the restaurant more than his family.
“Standing here and seeing people happy and well-fed, listening to their animated stories after two or three glasses of wine. That’s happiness for me, signore. That’s what makes me happy. These ungrateful souls will probably never understand it. When the guests rise from the table and pat their rounded bellies, when they come to me with cheeks flushed from alcohol, say thank you, praise our work…that is true fulfillment, signore. You then know that you have done everything right and that you have made a contribution to the joys of others.”
Vittore—a profoundly romantic but unfortunately misunderstood soul.

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When Vendula finally showed up, the rush and disorder were apparent all over her face. Her forehead was covered with a film of sweat, her skin was pale as all the blood rushed to her glowing cheeks, and a strand of hair was caught in the right corner of her mouth. Her countenance was one of complete frenzy. She laughed, but it was one of those laughs that is produced by sheer force of will from someone who really doesn’t feel like laughing at all.
“Oh, I’m so sorry. I would have messaged you, but you know that nothing powered by a battery ever endures in my hand. My cell phone was completely dead shortly after leaving the house. It’s like I’m cursed.”
She looked at me briefly and with confusion, and then tried to free the strand of hair from the corner of her mouth with her right hand, failed, and then laughed an almost hysterical laugh.
I wasn’t aware of any curse, but mutual friends pointed out that the man with whom she was so wildly and madly in love with had finally sent her into the wind and was never to be seen again. Knowing Vendula, she would want to talk about anything but that. Her vanity would prevent her from making a single remark on the subject, although her behavior and appearance indicated how much she needed to talk it through and cry it out. Our entire circle of friends agreed that although this should happen, it would never. At the same time, it would do no good to pressure her and force such an outburst. She would much rather isolate herself from all of us and endure her pain in solitude than show weakness. That’s how she was, our Vendula. And so we had no choice but to circumvent the elephant in the room and support her.
“I already told you that, didn’t I? I can’t touch an electric toothbrush, a remote controller, or a watch without them giving up after just a few minutes—no, seconds! It’s within seconds that these devices turn blank.”
She laughed that laugh again that signified that hysteria was approaching or had already arrived. I hugged her. She let herself fall into it like a child who got separated from his parents in an unfamiliar environment only to find them right before complete despair would have taken hold of him. I gently and sympathetically patted her back, and she hugged me even tighter. Then a long sigh escaped her, as if her self-control had failed her for a few moments. Shocked by this, she pushed herself away from me, helped herself to another laugh, and hit me in the right upper-arm with a weak punch.
“Now you! What have you been up to? We haven’t seen each other for a long time. It’s unbelievable that you’re still in Vienna. I would have bet anything that nothing and no one would keep you here this long.”
As if I had been waiting for a signal from a conductor, I began to speak and praise the city. I used every positive superlative I could think of about the time I had spent in Vienna. I mentioned the people I met and the creative power that I managed to harness in this city. She listened attentively, never missing a moment where a reaction was appropriate, while our steps automatically turned towards my apartment. I ended by explaining that although I’ve been feeling more and more wanderlust lately, I could easily imagine staying in Vienna for a considerable amount of time.
“It’s fascinating how little we actually know ourselves. You think you’ve spent enough time with yourself to know what’s good for you, where you feel best, which path you should take, but then you take two more steps, and the whole world looks completely different. You feel like a stranger to yourself. Is there anything left to hold on to?”
I felt that what she was saying had nothing to do with what I had been talking about. Was it possible that the wall she had built and defended so fiercely was slowly beginning to crumble?
This cynicism, this tendency to generalize and dramatize everything, is very well known among people who have gone through bad things. A long time has passed since the praiseworthy Job, and only a few people have been found who were willing to follow in his footsteps. I thought about this hero of the Bible, found worthy by God to be used as an example in dialog with the eternal enemy. But I didn’t want to join in the cynicism or seem naive, so I looked for a joke to lighten things up.
“One thing we can definitely hold on to is the knowledge that battery-operated devices are useless in your hands.”
“Yes, exactly! Oh my, at least this one thing gives me a faint hope that everything isn’t lost or going to the dogs.” We both laughed; she, on the verge of mania but fiercely controlled, and I, more reserved and uncertain.
“You’re laughing now,” she said, “but it has always been a horror scenario for me to have to find my way somewhere in a dark forest or attic at night. No flashlight in the world, no matter the price tag or the technologies built into it, would be of any help to me. In no time at all, the batteries would deplete, leaving me to fend for myself in the darkness. Terrible!” She cackled as I rummaged through my pockets for my keys. I unlocked the door, held it open for her, and then hurried to get ahead of her again to press the elevator button.
“Would you be angry with me if we just looked for a film or series to watch and let it wash over us? Somehow, everything is overwhelming me right now. Work…life…everything. I find that I don’t even know what else I could say. I’ve chewed and re-chewed everything so many times.”
Of course, I had nothing against that plan. But I was keenly aware that she hadn’t actually mentioned anything essential about what was bothering her. Not just today, but ever. Not just with me, but with anyone. But she was our Vendula. I wasn’t even certain anymore whether it was vanity. Maybe it had something to do with her upbringing. Who would know? She hardly ever talked about her family. Nobody knew what the relationship with her parents was like. Is it possible that it was instilled in her from a young age to brush everything under the rug? Was she taught never to wash dirty laundry in public? Or that people never support out of love but only out of a perverse desire to gossip? During the elevator ride, I took a closer look at her in the mirror as she looked down towards her feet with her arms crossed. An oppressive silence had spread. She was much slimmer than I remembered. You could see countless flakes along the middle parting of her hair. The lights in elevators always struck me as unflattering and indiscreet. Did she cry when she was alone? Or was she just as closed to herself as she was to all of us?
How easy life would be if thoughts had voices. If only you could hear them buzzing without first going through all the sieves and funnels before they came out of the mouth. Then, one could reserve the mouth for kissing and eating and let the thoughts do the talking. Even if this meant that humanity, like bumblebees, would be accompanied by an incessant humming noise, one could easily get used to it, or better yet, one would not know a different way of being. These little animals dressed in black and yellow don’t seem to be bothered in any way by their accompanying noise. I would prefer anything, or all alternatives, compared to this grain picking that we as humans are forced to do day in and day out. What is wheat? What is chaff? What is truth? A protection mechanism? A blatant lie—a lie that one has made himself believe. A belief that has been adopted, a refusal to believe the truth, an attempt at deception, a fear, uncertainty, anxiety? Through all of this, we are forced to navigate like blind chickens and only occasionally—rarely—find a grain in exceptional cases.
We entered my apartment, where we were greeted by a pleasant warmth with the sun about to set. She sighed again and leaned her butt against the door to take off her boots. They fit her tightly, so she needed the strength of both her hands to take them off.
“Just go into the living room, turn on the TV, and look for something to watch,” I suggested. In the meantime, I wanted to make coffee and two white spritzes.
“Alright,” she answered.
We watched Forrest Gump that day. Whenever I noticed her in my peripherals, I saw that her lips were moving as she recited almost every line of the movie. At the scene under the tree at Jenny’s grave, Vendula shed a few tears, which she wiped from her cheeks with her sleeves.
After the film was over, she said a quick goodbye and hurried out into the night. Long after the elevator had closed with her inside it, I stood at my front door wondering whether I had helped her in any way, or if it would have been better for me to scratch at her paint until she finally got a breach through where the pain could flow out.
Alan Sivestri’s music continued to sound from the living room. The feather was long gone, and there wasn’t much left of the credits, either. When I pressed the buttons of the remote to turn off the TV, nothing happened. I pressed and pressed again, five, six, seven times. The batteries were undeniably empty.

milagro escolapio Viena, 23.05.2023 Vacío Viena, 23.05.2023

milagro escolapio

1
Me enteré de tal asunto a través de informes de un camarero muy hablador. Mi sonrisa amistosa ciertamente lo animó a insistir en la veracidad de sus historias. Debí parecer un adulto mostrándole a un niño que le estaba prestando atención, aunque para ambos estaba claro que el niño solo estaba diciendo tonterías.
»Puede creerme o no, signore. Lo mejor es que lo compruebe usted mismo, ¡Basta! ¡Solo falta un minuto para las due! ¡Daí!«
El camarero, italiano como era de esperar, incorporó cada vez más palabras de su idioma natal después de darse cuenta de que el amable y sonriente caballero no lo tomaba en serio. Antes recitó la historia en excelente alemán:
»Usted no es de aquí Signore, ¿verdad? Sonríen incluso antes de haber probado una bebida alcohólica. Su frente no está arrugada y sus cejas no están juntas. ¿Desde dónde nos visita, signore?«
Le dije brevemente que crecí en Viena y que no había estado visitando mi ciudad natal durante mucho tiempo. Se podía ver lo mucho que le molestaba que no se le hubiera demostrado que tenía razón. Especialmente porque frunció el ceño.
»Bien, bien, signore, pero hace mucho, mucho tiempo que no viene aquí.«
Le permitió tomar esta pequeña victoria, levanté las comisuras de mi boca otros tres grados y asentí.
»Entonces probablemente no hayan oído hablar del milagro escolapio. Quiero contárselo.«
Sus compañeros corrían todos por todos lados, la terraza estaba muy concurrida, el sol aparecía a menudo y acariciaba suavemente la piel y el cabello de todos los que se lo ofrecían. Pero este camarero no pareció verse afectado por lo que estaba sucediendo. Su chaqueta era incluso de un color más oscuro y aun así más brillante que las demás.
»A las dos, Signore, una paloma blanca con alas doradas aparece entre las torres de la iglesia de María Treu y desciende sobre la plaza. Quienquiera que llegue ser manchado por sus desechos experimenta una suerte increíble. Una suerte inmediata e increíble, signore.«
»Por desecho, ¿se refiere a mierda, Señor?«
»¡Desperdicio, Signore, Merda, Kaká! Disculpe, usted está sentado a la mesa, así que... ¡desechos!«
»Entiendo.«
»No, signore, usted no lo entiende. Es una suerte indescriptible que se apodera de uno y, que yo sepa, no te abandona demasiado pronto. Mani, por ejemplo. Mani vino desde hace años a beber su copa de vino tinto. Nunca comía, sólo quería una copa del tinto de la casa. Él siempre se sentaba allí.«
El camarero señaló un asiento en el borde exterior de la terraza. Miré brevemente, asentí y sonreí de nuevo. Imágenes de un domingo por la mañana cobraron vida en mi cabeza. Debía tener unos diez años. Caminamos por Landstrasse Hauptstrasse con nuestras mejores galas para llegar a la estación de metro Kardinal-Nagl-Platz.
Mi hermana llevaba un vestido nuevo. Qué feliz estaba por eso, no había hablado de nada más en toda la semana. Era blanco, como el de una novia enamorada y feliz. El sol había salido, aunque todavía estábamos en pleno invierno. Mis padres lo llamaban: sol con dientes. Hacía un frío terrible, el sol brillaba y el vestido también brillaba y brillaba. Hasta que una paloma hizo sus necesidades sobre nuestras cabezas y justo manchó todo su vestido. Ella comenzó a llorar amargamente. Tuve que sonreír con nostalgia ante el recuerdo, lo que a su vez hizo que el camarero frunciera el ceño.
»Después de terminar su vino con nosotros, solía irse a la oficina de correos de Maria-Treu-Gasse y comprar dos tarjetas rasca y gana. Un SCHATZTRUHE (cofre del tesoro), y un CASH. Siguió este ritual cinco días a la semana. Mani se jubiló anticipadamente, una historia desagradable, les digo. Si sus vecinos no fueran tan chismosos, seguramente nunca habría sabido el verdadero motivo de su jubilación anticipada.«
El hecho de que llamara chismosos a otras personas me hizo sonreír de nuevo. Eso le hizo fruncir el ceño otra vez.
»Quería levantarse ese día como siempre lo hacía y caminar hasta la oficina de correos. La paloma se acercó y puso los desechos justo sobre su hombro izquierdo. Yo le ayudé a limpiarlo, signore. Tan cierto como que estoy aquí delante de usted.«
»¿Y qué pasó?« Quise pedir un poco de té y que me entregaran la carta.
»Fue a la oficina de correos y compró las dos tarjetas rasca y gana. Ganó la suma más alta en ambos. Ochenta mil euros, signore. En el camino desde el correo hasta aquí, su hijo lo llamó y le informó que lo habían enviado a Chile como embajador de Austria. Y mientras me contaba todo esto y me enseñaba las tarjetas rasca y gana, le llamó su novia del instituto, a la que no veía desde hacía más de treinta años y que casualmente encontró su número de teléfono por el Internet. ¿Lo entiende ahora, signore?«
»Una historia muy linda.« Sonreí alegremente. A esto le siguió el estallido lleno de palabras en italiano mencionado al principio, por lo que me dejó enojado sin atender mi pedido. Un tipo extraño, casi me pareció como si él mismo estuviera controlando la paloma por radio. ¿Por qué si no, que motivo poder tener sentirse tan ofendido por mi incredulidad? Y de todos modos, ¿qué clase de historia fue esa? Esperé los dos minutos. Las nubes se movieron, el sol volvió a tener camino libre y nos envió sus rayos sin filtrar.
Sólo entonces me di cuenta de lo mucho que se había llenado el lugar. Todos miraban las torres, así que hice lo mismo.
Las campanas sonaron y entonces, lo crean o no, apareció la paloma de alas doradas. Salió volando de entre las torres y luego voló brevemente hacia el cielo hasta que ya no se podía mirar sin quedar cegado por el sol. Sin embargo, todos los presentes parecieron aceptar esto, incluyéndome a mí. De repente empezó a descender y se precipitó sobre las cabezas de la multitud reunida en Jodok-Fink-Platz. Un murmullo recorrió la multitud, luego se hizo el silencio. Silencioso como en un velorio.
No noté el momento en que la paloma arrojó sus excrementos, pero escuché un grito antes de que comenzara a batir sus alas, que por cierto solo lucían doradas cuando el sol brillaba sobre ellas, hacia el cielo nuevamente alzarse. Poco tiempo después volvió a desaparecer entre las torres. El silencio continuó. Entonces sonó un teléfono. Todos los demás todavía contenían la respiración. Sólo se podía escuchar una voz en todo el lugar, como si le hubieran puesto a esa persona un micrófono en la mano. El sonido rebotó desde todos los edificios circundantes hasta el centro de la plaza.
»Sí, hola, aquí Gröll«. Hubo una breve pausa, nadie se atrevió siquiera a jadear.
»¿Entonces puedo recogerla? ¿Ahora mismo?« Un murmullo surgió ante estas declaraciones.
»¿Entonces ella está bien? ¿Sin secuelas ni efectos secundarios? ¿Están seguros?« Hubo clamores y gritos ocasionales.
»Está bien, iré al hospital inmediatamente, nos vemos pronto.« Colgó y la multitud estalló en aplausos y gritos de alegría. Sobre todo escuché al hombre gritar: »¡Ha vencido al cáncer, está curada! ¡Como un milagro! ¡Es un milagro!«
Posteriormente, la gente tenía consejos más prácticos y gritaba: »¡Compra tarjetas rasca y gana!« o »¡Rellena un billete de lotería!« o »¡Vete al casino!.«
Solo vi al hombre brevemente cuando salió de la plaza rodeado por una multitud y se dirigió hacia Florianigasse. No pareció molestarse en limpiar los excrementos de pájaro de su bata.

2
Cuando llegué a la plaza al día siguiente, poco antes de las dos de la tarde, el camarero me esperaba con una sonrisa pícara y frotándose las manos.
»Así que, ahora si me creen, han visto que no es una mentira, ¡no es un cuento de hadas!«
Le sonreí y no dije nada. Todavía no sabía exactamente qué pensar de todo el asunto, pero definitivamente mi curiosidad se había despertado.
»Mi nombre es Vittore, ¿dónde le gustaría sentarse?«
La mesa donde Mani, según cuentan, se sentaba estaba libre. Señalé con el dedo en esa dirección y la sonrisa traviesa de Vittore creció con intensidad.
»¡Muy bien, muy bien!« fue su comentario. Él caminó delante de mí y yo lo seguí.
»¿Quiere disfrutar de una copa de vino tinto? No pasará mucho tiempo hasta que las campanas suenen la hora.« Asentí y sonreí.
La gente llegaba desde las tres direcciones. La mayoría de ellos estaban en el lado opuesto de la plaza donde yo estaba. Allí también había estado el que estuvo manchado de suerte el día anterior.
»¿Cuánto tiempo lleva sucediendo esto, señor Vittore?« El vino que me trajo era dulce, el dulzor residual persistió durante mucho tiempo.
»Comenzó este año, el día de la Ascensión, el doce de mayo. La paloma no ha faltado ni un día desde entonces.«
»Y tú, querido Vittore, ¿cuál sería tu mayor deseo si la paloma te arrojara sus excrementos?«
»Oh Signore, ni siquiera me atrevo a decirlo. No quiero funestar o traerme mala suerte. Sfortuna, ¿entiende?« Con eso me dejó solo con mi vino y se fue. Su chaqueta hoy era violeta y brillaba al sol.
Intenté pensar por qué los italianos no se molestaron en inventar una nueva palabra para el equivalente de mala suerte. Tienen Fortuna o Sfortuna. ¿O lo entendieron mejor que nosotros teutonas (en alemán hay la palabra “GLÜCK” para decir suerte, y “PECH” por la mala suerte)? ¿Es realmente la desgracia (en alemán “UNGLÜCK”) lo opuesto a la suerte y no lo que llamaríamos mala suerte (PECH)? Bajo mala suerte encontramos en el diccionario la siguiente explicación: coincidencia desafortunada; percance que frustra los planes de alguien. Cuando se trata de desgracia, en el mismo diccionario está escrito que ocurre de repente, un acontecimiento desastroso o triste.
Quería reflexionar más sobre estas expresiones, pero no pude evitar llegar a la conclusión de que la única razón por la que Vittore usaba chaquetas tan llamativas todo el tiempo era porque quería atraer la atención de la paloma. Quería vigilarlo de cerca mientras sonaban las campanas.
Se escucharon los agradables sonidos que desde hace siglos deleitan los corazones de los piadosos y nos recuerdan la devoción. La paloma hoy no tomó más desvíos. Como si le preocupara llegar tarde, salió disparada y se agachó sobre la multitud que murmuraba y suplicaba. Vi a Vittore por el rabillo del ojo. Tenía ambas manos levantadas hacia el cielo y los ojos cerrados.
El grito de una mujer. Sonó más como un chillido.
La paloma desapareció, volvió la calma.
»Querida Sara Marinovic, ¿quieres ser mi esposa? ¿Me permitirás amarte y honrarte con todo mi corazón y todo mi ser durante toda la vida, hasta que la muerte nos separe?« – había hablado una voz masculina algo temblorosa.
»¡Sí, quiero, quiero, quiero!« - la voz volvió a quebrarse y se convirtió en un grito chillante. Todos aplaudieron y yo también me uní a ellos. Vittore vino hacia mí con lágrimas en los ojos y aplaudiendo ruidosamente.
»Créelo, signore, deja de dudar.«
Los gritos habituales volvieron a surgir de la multitud: »¡Juega a la lotería! ¡Ve a comprar tarjetas para rascar! ¡El casino te está esperando!«
Me recliné en mi silla, bebí un poco más de vino y observé a la multitud dispersarse lentamente por las mismas tres calles por las que habían venido. Sólo unos pocos encontraron un lugar en una de las dos terrazas. Por ejemplo, alguien así se sentó en la mesa de al lado y respiró hondo. Luego golpeó la mesa con ambas palmas y estiró los pies a lo lejos. Su camiseta polo estaba planchada, al igual que sus pantalones cortos. Su cabello estaba estrictamente peinado hacia un lado, sus gafas no tenían montura y su bolso de hombre estaba hecho de cuero. Inmediatamente pensé en el término “hijo de papi”.
»Bueno, hoy no hubo nada. Al menos ayer estuve en el lado correcto de la plaza.«
Después de decir eso, miró a su alrededor, buscando a alguien que mostrara interés en responder a su declaración. Fui demasiado lento y no logré girarme antes de que sus ojos me atraparan.
»¿Cuánto has estado esperando?«
»Oh, en realidad me sirvieron de inmediato. El vino tinto es muy bebible, aunque todavía es muy temprano para beber.«
Me miro confundido, lo pude ver en su frente. – no pudo conectar lo que dije con lo que preguntó. Vittore corrió en su ayuda.
»Professore, ¿no hubo nada hoy?«
»¡No nada! Pero ayer estuve muy cerca, quizá dos metros, en ningún caso fueron más de tres. ¡En cambio, lo consiguió la guía turística!« El profesor resopló con desdén y torció la cara.
»¿El que siempre lleva gorra verde?« Vittore estaba visiblemente horrorizado.
»Exactamente ese, querido Vittore, exactamente ese. Estaba simplemente dando un discurso sobre el Löwenburgkonvikt y ni siquiera miró al cielo.«
»Él no lo cree. ¡Madre mía! Se rió de mí en faccia. Se rió en mi cara. Excepto que no me llamo idiota. ¡Porco Dio!«
El camarero estaba tan molesto que volvió a desaparecer sin atender la orden del profesor.
»Estoy allí desde el segundo día. No me he perdido ni un solo día«, me dijo, asintiendo teatralmente y usando el pulgar y el índice para ajustarse las gafas sobre la nariz.
»Hace poco que volví a Viena.«
Se limitó a mirarme brevemente, de manera demasiado calculadora, casi desdeñosa. Eso terminó la conversación.

3
Me costó mucho beber el vino tinto. Las nubes se habían despejado y el sol ardía sin piedad. Ya sentía mucha calentura en mis orejas y tenía miedo de marearme si intentaba levantarme. Llamé a un camarero y pedí agua fría. El profesor de la mesa de al lado pidió pizza y una cerveza. Nuestros ojos se rozaron unas cuantas veces más, pero no teníamos nada más que decirnos.
La plaza estaba casi desierta. La pareja todavía estaba abrazada, a unos veinte pasos de mi mesa. Mucha gente había pasado junto a ellos, en su mayoría dándole palmaditas en los hombros al chico y felicitándolos. Mantuvieron su abrazo hasta que la plaza se vació y los recién llegados que aún aparecían de vez en cuando no tenían idea de que estos dos eran los afortunados del día.
Vittore me trajo el agua.
»Nunca esperaré en la plaza. ¡Siempre me paro en la entrada de mi terraza! ¡La suerte debería volar unos metros más y encontrarme aquí mismo! También llegó a Mani aquí en la terraza.«
»¡Sí, sí, la dulce suerte!« Eso es todo lo que podía pensar en ese momento.
»La suerte, Signore, es lo que marca la diferencia al final de cuentas. Todos tenemos que trabajar duro a lo largo de nuestra vida, pero con un poco de suerte, en algún momento llegarás a ser algo. Todos amamos, pero con un trocito de suerte será el amor verdadero, el que endulce todo tu tiempo aquí en la tierra. Todos soñamos pero solo con un poco de suerte esos sueños se harán realidad.«
Quería añadir algo más, su mano derecha todavía estaba en el aire como la de un director de orquesta, pero la pareja finalmente rompió su abrazo y vino hacia nosotros tomados de la mano. No pude reconocer la mierda.
Vittore la miró con un rostro tan lleno de envidia que muchos podrían interpretarlo como rencoroso.
»¡Entonces, ahora están comprometidos! «, les dije, tratando de equilibrar la expresión del camarero con mi sonrisa.
»¡Ay, sí, hemos estado juntos desde la secundaria, pensé que nunca me lo preguntaría!« La mujer habló rápidamente, su voz tropezó un par de veces. Luego abrazó de nuevo al hombre felizmente sonriente y lo besó en la frente.
»¿Y la paloma?« Vittore no pudo contenerse más.
»Ay, sí«, se rió histéricamente. »Me atrapó en la espalda mientras me ataba los cordones de los zapatos. Lo sentí aterrizar en mi espalda pero no tuve tiempo de decir nada, tan pronto como yo me levanté, él cayó de rodillas. Ahora mira sus mangas.«
El chico extendió los brazos y puso las palmas hacia arriba. En ambos antebrazos se podía ver dónde tocó por primera vez el excremento de paloma y en qué dirección lo untó todo.
»Ahora estamos una vez en Viena y luego nos pasa algo así«, opina el hombre.
»Entonces, ¿sabías que le ibas a proponer matrimonio aquí mismo?«, Pregunté con interés.
»Pero no, sólo sabía que sucedería durante nuestro fin de semana en Viena…«
»¡Tenia que suceder!«, intervino ella, seguida de una risa histérica.
»Quería hacerlo«, dijo, todavía radiante pero también un poco a la defensiva. »De todos modos, tal vez me dejé llevar por la atmósfera aquí. Cuando toda la gente apareció, sonaron las campanas, brilló el sol, ¡fue simplemente un momento mágico!«
»Y todos aplaudieron. Todos aplaudieron. ¿Me prometes que no le pagaste a nadie para que viniera aquí a aplaudir?« Ahora lo sostuvo por ambas mejillas. Él le devolvió la sonrisa tímidamente.
»¿De qué estás hablando cariño? Sin la ayuda de mi padre probablemente ni siquiera podría permitirme invitar a mi círculo más cercano de amigos a nuestra boda.« Luego se volvió hacia Vittore y hacia mí y continuó en un tono explicativo. »Probé un poco, algunos investimentos en la Bolsa, pero parece que no es un buen lugar para un granjero como yo, de Altlengbach.«
»¿Tienes alguna forma de consultar los precios de las acciones en tu teléfono celular?« Continué preguntando con curiosidad, mientras Vittore al lado de mi mesa casi echaba humo.
»Sí, por supuesto, pero ¿por qué debería molestarme con algo así en este hermoso día?«
»Hazlo. Fuiste tú que mencionaste las finanzas.« Mi voz era firme, mi sonrisa seguía siendo la más amigable.
Dudó por un momento, pero luego sacó su teléfono celular del bolsillo, me miró brevemente y luego comenzó a deslizar el dedo por la pantalla. Me miró de nuevo, yo seguí sonriendo. Luego se acercó el teléfono móvil a la cara y desde entonces lo alcanzó un rayo.
»¡Cariño, no lo vas a creer!«
»¿Qué? ¿Qué? ¿Qué es lo que sucede? Ahora dime algo.«
»¡Virgen! Cavalo! ¡Porca Miseria! ¡Lecáculo! ¡No sabían nada de la Santa Colomba! ¡Porco Dio!«
Vittore se escapó maldiciendo y profanando, derribando al menos tres mesas de su camino. También en la que estaba sentado el profesor, ¡estaba muy enojado!
»¿Qué le pasa?« El tipo estaba inquieto y sostuvo su teléfono celular con fuerza contra su pecho, untándose un poco de algo de su manga en él mismo.
»Oh, desde que jugó y perdió todo el dinero de su esposa en el casino, siempre ha reaccionado así cuando se trata de asuntos de dinero«.
Los dos me creyeron y volvieron su atención a sus propios asuntos.
»Cariño, si lo que leí aquí es cierto, entonces podemos comprar las propiedades de nuestros padres y enviarlos a todos a Hawaii«.
Los chillidos y gritos histéricos que siguieron no se pueden expresar con palabras, así que terminaré este capítulo aquí.

4
Pude observar un espectáculo similar durante los siguientes tres días. Sin embargo, al cuarto día, después de haber cambiado al vino espumoso, que era mucho más compatible con las temperaturas cálidas, apareció la paloma, arrojó sus excrementos una vez más sobre una madre que estaba ocupada calmando a su bebé que lloraba, y luego aterrizó en el suelo. Ya no voló entre las torres de la iglesia de María Treu. Aterrizó en el suelo y, como cualquier otra paloma común y corriente, pronto comenzó a buscar comida. La gente la rodeaba pero no se atrevía a tocarla.
»¡Recógelo! ¡Hazlos volar de nuevo!«
Muchos gritaron, pero nadie tuvo el valor de acercarse a ella. Caminando por el suelo, la paloma no se diferenciaba en nada de muchas otras criaturas de su especie que se han acostumbrado tanto a convivir con nosotros, los humanos. De hecho, era muy blanca y limpia, y el color de sus alas era más amarillo de lo que he visto en la mayoría de las palomas, pero eso era todo.
Vittore rompió a llorar ese día. Rezó el Padrenuestro en voz alta y recitó el Avemaría, santiguándose cientos de veces, pero la paloma siguió su camino, ajena a todo.
Sólo cuando llegó a Piaristengasse y un coche amenazó con atropellarla, se levantó rápidamente. Sólo lo necesario para evitar el vehículo. Dos o tres aleteos. Luego aterrizó en Maria-Treu-Gasse y se perdió entre los coches aparcados.
Vittore y yo seguimos siendo buenos amigos. Siempre que estoy en la zona, me gusta sentarme con él a tomar una copita de vino. Aun así, nunca quiso contarme cuál era su ideal de felicidad. Podría ser que la paloma vuelva a aparecer el próximo año el día de la Ascensión.
Sin embargo, descubrí que, en su opinión, su esposa ya no lo amaba y solo se quedaba con él por el dinero. Probablemente sus hijos le culpan de esto porque, en sus perspectivas, amaba más su restaurante que a su familia.
»Estar aquí y ver a la gente feliz y bien alimentada, escuchar sus animadas historias después de dos o tres copas de vino. Eso es felicidad para mí, signore, eso me hace feliz. Pero estas almas ingratas probablemente nunca lo entenderán. Cuando los huéspedes se levantan de la mesa y se dan palmaditas en sus redondeados vientres, cuando vienen hacia mí con las mejillas enrojecidas por el alcohol, dan las gracias, elogian nuestro trabajo, eso es una verdadera realización, signore. Entonces sabes que lo has hecho todo bien y que has contribuido en algo a la alegría de los demás.«
En mi opinión Vittore es un alma muy romántica pero lamentablemente incomprendida.

Vacío


Cuando Vendula finalmente apareció, la prisa y el desorden estaban literalmente escritos en toda su cara. Tenía la frente cubierta de una capa delgada de sudor y estaba muy pálida, mientras que sus mejillas brillaban de rubor. Un mechón de cabello estaba atrapado en la comisura derecha de su boca y su mirada estaba al borde de la completa confusión. Su risa era del tipo que surge por pura fuerza de voluntad, de alguien que realmente no tiene ganas de reír en absoluto.
»Oh, lo siento mucho, te habría escrito, pero lo sabes: nunca se me queda en la mano nada que funcione con pilas. La batería de mi celular volvió a quedarse vacía poco después de salir de casa. Es como una maldita maldición encima de mi...«
Ella me miró brevemente y confusa, intentó soltarse el mechón de pelo de la comisura de la boca con la mano derecha, falló un par de veces y luego soltó una risa casi histérica.
No sabía nada sobre ninguna maldición, pero amigos en común me señalaron que el hombre del que estaba tan salvaje y locamente enamorada finalmente la había mandado a freír espárragos y que había desaparecido sin dejar noticia ni nada.
Conociendo a Vendula, le gustaría hablar de cualquier cosa menos de eso. Su vanidad le impediría hacer un solo comentario sobre el tema, aunque toda su personalidad y apariencia indicaban cuánto necesitaba un debate seguido de un aullido. Todo nuestro círculo de amigos estuvo de acuerdo en que esto nunca sucedería, pero al mismo tiempo que no serviría de nada presionarla y forzar tal arrebato. Preferiría aislarse de todos nosotros y soportar su dolor en soledad que mostrar debilidad frente a cualquiera de sus amigos. Así era ella, nuestra Vendula, y por eso no nos quedó más remedio que apoyarla, ignorar y sortear al elefante de la habitación.
»Ya te dije eso, ¿no? No puedo tocar un cepillo de dientes eléctrico, un mando a distancia o un reloj de pilas sin que a los pocos minutos se paren, ay Dios, de qué hablo aquí, segundos, son segundos en los que estos dispositivos se vacían.«
Ella volvió a reír, una risa que indicaba que la histeria se acercaba o ya había llegado. La abracé mucho. Se dejó caer en mis manos como un niño que se había perdido durante mucho tiempo de sus padres en un entorno que le era desconocido y sólo los había vuelto a encontrar poco antes de que la desesperación total se apoderara de él. Le di unas palmaditas en la espalda y ella me abrazó aún más fuerte. Entonces se le escapó un largo suspiro. Como si su autocontrol le hubiera fallado por unos momentos. Sorprendida o asustada por esto, se alejó de mí, se permitió reír otra vez y me golpeó en la parte superior del brazo derecho con un puño débil.
»¿Y bien tú? ¿Qué has estado haciendo? Hace mucho que no nos vemos. Es increíble que todavía sigues en Viena. Podría haber apostado cualquier cosa a que nada ni nadie te retendría aquí tanto tiempo.«
Como si hubiera estado esperando la señal de un director de orquesta para mi compromiso, comencé a hablar y alabar a la ciudad y elogié el tiempo que había pasado en Viena, las personas que conocí y el poder creativo que descubrí en esta ciudad. Ella escuchó atentamente, sin perder ningún momento en el que una risa fuera apropiada, mientras nuestros pasos se dirigían casi automáticamente hacia mi apartamento.
Terminé diciendo que, aunque últimamente tengo cada vez más ganas de viajar, me imagino fácilmente quedándome en Viena durante un tiempo considerable.
»Es fascinante lo poco que realmente nos conocemos a nosotros mismos. Crees que has pasado suficiente tiempo contigo mismo para saber qué es bueno para ti, dónde te sientes mejor, qué camino es mejor tomar, pero luego das dos pasos más y el mundo se ve completamente diferente. Tú mismo te sientes extraño en tu piel. ¿Queda algo a lo que uno puede confiar?«
Me invadió una ligera sensación de que lo que ella estaba diciendo tenía poco o nada que ver con lo que yo había estado hablando. ¿Era posible que el muro que había construido y defendido tan firmemente estuviera comenzando a desmoronarse lentamente? Este fatalismo, esta tendencia a generalizar y dramatizar todo, es muy conocido entre las personas que han pasado por cosas malas. Ya ha pasado mucho tiempo desde el loable Job y sólo se han encontrado muy pocas personas que estuvieron dispuestas a seguir sus pasos.
Pensé en este héroe de la Biblia, considerado digno por el todopoderoso de usar para acabar un argumento con el enemigo eterno. Pero no quería sumarme a su fatalismo ni parecer precoz, así que busqué un chiste para aligerar las cosas: »Así que resumamos, hay una cosa que uno puede confiar: los aparatos que funcionan con pilas son casi inútiles en tus manos«.
»¡Sí exactamente! Dios mío, al menos esto me da una leve esperanza de que no todo está perdido o se vaya a la mierda.« Ambos nos reímos. Ella al borde de la histeria, pero ferozmente controladora, yo más reservado e ingenuo.
»Ahora te estás riendo«, dijo, »pero siempre ha sido un escenario aterrador para mí tener que encontrar mi camino en algún lugar en un bosque oscuro o en un ático por la noche. Ninguna linterna en el mundo, sin importar el precio que tuviera o las tecnologías que incorporase, sería de alguna ayuda para mí. En poco tiempo se descargarían y me dejarían a mi suerte en la oscuridad.« »¡Terrible!«
Ella se rió mientras yo busqué las llaves en mi bolsillo, abrí la puerta, la mantuve abierta para ella y luego me apresuré a alcanzarla nuevamente y presionar el botón del ascensor.
»Ay dios mío, ¿te enfadarías mucho conmigo si simplemente buscáramos una película o una serie y dejáramos que nos inundara? De alguna manera todo me está abrumando en este momento, el trabajo, todo lo demás. Me doy cuenta de que no sé ni qué más decir, lo he masticado y vuelto a masticar tantas veces... «
Por supuesto que no tenía nada en contra, pero también era consciente de que ella no había mencionado nada esencial, nada que realmente la molestara, nunca, ni conmigo ni a nadie. Pero así era nuestra Vendula. Ya ni siquiera estaba seguro de si en realidad era vanidad. Quizás tuvo algo que ver con su educación. Quién puede saber algo así, casi nunca hablaba de su familia. Nadie sabía cómo era su relación con sus padres. ¿Quizás le inculcaron desde pequeña el escuchar y guardarse todo? Sí, ¿no lavas la ropa sucia en público? ¿O que la gente nunca te apoya por amor, es decir, por amor desinteresado, sino sólo por un perverso deseo de chismorrear? Durante el viaje en ascensor, la miré más de cerca en el espejo. Ella estaba fijada en las puntas de sus propios zapatos y un silencio opresivo se había extendido en la pequeña cabina.
Estaba mucho más delgada de lo que recordaba. Se podían ver muchas escamas del cuero cabelludo a lo largo de la raya en medio. Las luces de los ascensores siempre me han parecido incómodas e indiscretas. ¿Lloraba cuando estaba sola? ¿O era tan cerrada consigo misma como lo estaba con todos nosotros? Qué fácil sería la vida si los pensamientos tuvieran voz. Si tan solo pudieras escucharlos zumbando sin pasar primero por todos los tamices y embudos antes de que salgan por la boca. Entonces podríamos usar la boca para besar y comer y dejar que los pensamientos hablen por ti mismo. Incluso si esto significara que la humanidad, como los abejorros, estaría acompañada de un zumbido incesante, uno podría acostumbrarse fácilmente a él, o mejor aún, no sabría nada diferente. Estos animalitos vestidos de negro y amarillo no parecen molestarse en absoluto por el ruido que los acompaña. Preferiría cualquier cosa, o todas las alternativas, en comparación con esta recolección de granos que nosotros, como seres humanos, nos vemos obligados a realizar día tras día. ¿Qué es trigo? ¿Qué es paja? ¿Qué es la verdad? ¿Qué un mecanismo de protección? ¿Una mentira descarada, una mentira que se ha hecho creíble hasta a sí mismo, una mentira o creencia adoptada, una negativa a creer la verdad, un intento de engaño, un miedo, una incertidumbre, una ansiedad? A través de todo esto nos vemos obligados a navegar como gallinas ciegas y sólo en casos excepcionales se nos permite encontrar el grano.
Entramos a mi apartamento donde nos recibió un agradable calor y el sol estaba a punto de ponerse. Suspiró de nuevo y apoyó su trasero contra la puerta principal para quitarse las botas. Para lo que necesitaba el apoyo de ambas manos.
»Ve a la sala y enciende la televisión, echa un vistazo y decide qué queremos ver«, sugerí. Mientras tanto quería preparar un café y dos spritzes blancos.
»Está bien«, me respondió e hizo lo que le dijo.
Ese día vimos Forrest Gump. Cada vez que la miraba de reojo, notaba que sus labios se movían y que se sabía la letra prácticamente de memoria.
En la escena bajo el árbol, junto a la tumba de Jenny, Vendula derramó algunas lágrimas que se secó de las mejillas con las mangas.
Después de la película, se despidió rápidamente y salió corriendo hacia la noche. Me quedé en la puerta abierta mucho después de que el ascensor se marchó y realmente no podía decidir si la había ayudado o si hubiera sido mejor provocarla y zarandearla hasta que finalmente logre que ella sacara su dolor.
La música de Alan Sivestri seguía sonando desde la sala. La pluma ya no estaba y de los créditos tampoco quedaba mucho. Cuando presioné el control remoto para apagar el televisor, nada se movió. Después de la quinta y sexta vez estaba cierto. Sin lugar a duda, las baterías estaban vacías.